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Fridays for Future: Eine Bewegung von Reichenkindern für die Interessen der Großkonzerne?

Gesellschaft
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In der politischen Linken herrschen viele Illusionen zu Fridays for Future. Die Bewegung, meinen viele, sei demokratisch und fortschrittlich. Dabei handelt es sich um eine Bewegung von privilegierten Kindern für die Interessen von Großkonzernen, meint Hasan Posdnjakow.

von Hasan Posdnjakow

Seit einigen Monaten haben die Mainstreammedien ein Topthema: die Bewegung "Fridays for Future" (FFF). Sie gilt vielen als progressive, gar antikapitalistische Kraft. Die Argumentation läuft ungefähr so: Eine amorphe "Jugend" habe sich politisiert und eine authentische politische Bewegung ins Leben gerufen. Gegner dieser Bewegung seien die Konzerne und die Politik, die nicht genug tun würden, um den CO2-Ausstoß zu verringern. Weil sich die FFF-Bewegung gegen diese Konzerne wende, sei sie antikapitalistisch. Zudem besteht die Überlegung, man könne den "ökologischen" Charakter von FFF irgendwie durch soziale Komponenten ergänzen oder abfedern.

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Es ist auffällig, dass Linke, die eigentlich die "Klassenfrage" kennen sollten, kaum recherchieren, was für soziale Kräfte denn hauptsächlich in FFF vertreten sind. Es gibt nämlich in Deutschland einerseits eine benachteiligte, unterdrückte und ausgebeutete Arbeiterjugend, die kaum Chancen hat auf echte Bildungsmöglichkeiten bzw. sofern sie diese hat, hat sie später nur geringe Aussichten auf gut bezahlte, sichere Arbeitsmöglichkeiten. Diese Arbeiterjugend ist in der Politik eindeutig unterrepräsentiert. Zudem gibt es eine Schicht von reichen, bürgerlichen und kleinbürgerlichen Jugendlichen mit einer ausgezeichneten Zukunft. Die (aus Sicht der bestehenden Ordnung) besten Vertreter dieser Jugend werden schon früh von diversen Thinktanks und Stiftungen ausgewählt und umfassend gefördert, damit sie später treue Kader werden. In jungen Jahren üben sich die Vertreter dieser Jugend gerne im Aktivismus. Dafür bietet die bürgerliche Gesellschaft mittlerweile viele Optionen. In Frage kommen ganz unterschiedliche Betätigungsfelder: Man kann sich für den Amazonas einsetzen, für das Tierwohl, für das Klima, für Migranten, für alles Mögliche – Hauptsache, man tastet nicht den Grundwiderspruch unserer Gesellschaft an, nämlich den zwischen Arbeit und Kapital

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