Georg Kausch - Die unbequeme Nation - 2000 Jahre Wirtschafts- und Religionskrieg gegen die Deutschen

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Auszug aus dem Werk von Georg Kausch, Deutscher Freiwirtschaftsbund e.V., Selbstverlag 2009; 3. Auflage 2010, Überarbeitete Version 2013

Das Duell der Feldherren

Zum Anfang des Jahres 16, das in Rom bekanntlich mit dem März begann, kehrte der römische Oberbefehlshaber Gajus Julius Cäsar Germanicus nach Deutschland zurück. Mit großer Energie betrieb er die Vorbereitung des neuen Feldzuges (1), besichtigte Legionen und Schiffswerften, besprach sich mit den Offizieren und prüfte Agentenmeldungen. Da viele Germanen – jetzt als Bundesgenossen – im römischen Heere dienten, mußte er allerdings darauf gefaßt sein, daß man auch in Deutschland ziem-lich genau wußte, was auf der römischen Seite im Gange war. Die Germanen hatten auf ihrem Thing jetzt Arminius zum alleinigen Feldherrn bestimmt und beschlossen, dessen Onkel Ingiomarihm zu unterstellen. Solche Meldungen erfüllten ihn mit Sorge. Anscheinend rechneten die Germanen längst mit einem neuen Feldzuge der Römer. Keine Intrige, keine Bestechung hatte offenbar gewirkt. Sie verachteten das Geld: Kein germanischer Gau prägte Münzen; und der Boden, der war nicht käuflich, er gehörte der Allgemeinheit. Sie wollten keinen Herrscher über sich und schon gar nicht einen Kaiser.

[...]

Privatgrundeigentum – das Unglück der Nation (Seite 133)

„Seitdem die Aneignung des Bodens durch Kauf mit dem 19. Jahrhundert allgemein wurde, stößt jeder Einwand gegen das Prinzip des Privatgrundeigentums auf Unverständnis. Haben die Menschen, zumindest die Deutschen, sich damit abgefunden den Boden des Heimatlandes in den Händen einiger weniger Monopoli-sten zu sehen? Ist ihnen gleichgültig, ihren hart verdienten Lohn in den Taschen der Grund- und Kapitalbesitzer verschwinden zu sehen? Man findet – wenigstens seit den 60er Jahren – kaum jemand, dem das Mißverhältnis zwischen seiner eigenen Arbeitsleistung und seinem Arbeitsertrag auffällt!

Die ungeheure Steigerung der Erzeugungsfähigkeit unserer modernen Volkswirtschaft, mit automatischen Maschinen, Selbstbedienungsmärkten, Computern, und was der vielen Dinge mehr sind, riesiges Warenangebot und billige Befriedigung des Unterhaltungsbedürfnisses lenkt von den vielen Schmarotzern ab, die den Geldbeutel der schwer arbeitenden Menschen leeren. Die Steuern, die gleich abgezogen werden, sieht man wohl; die indirekten, auf die Warenpreise aufgeschlagenen zwar nicht, aber man weiß von ihnen. Dann kommen Zinsen, von denen der Lohnempfänger nur weiß, wenn er Geld für einen Autokauf borgte oder die Pfandbriefe für sein Häuschen nicht getilgt sind. Wie viel mehr Zinsen er in jedem Bedarfsartikel in allem um ihn herum bezahlen muß, das entgeht ihm. Die größten aller Schmarotzer am Lohnbeutel sind die Bodenrenten, und von denen weiß er gar nichts. Sie entspringen dem Privatgrundrecht. Das Niederträchtige an ihnen ist, daß sie sich tarnen. Kein Mensch, der Monat für Monat seine Miete zahlt, denkt daran, daß ¾ davon Zinsendienst und Grundrenten sind.

Er bezahlt damit nicht irgend eine Leistung des Grundherren, sondern allein die Erlaubnis, auf dessen Privatgrundstück sich aufhalten zu dürfen: Noch schlimmer, sehen wir zwölf Mietparteien in einem Eingang, jedes Treppenhaus winzige 2½ oder Dreizimmerwohnungen übereinander geschachtelt, vier Eingänge im ganzen Hausblock (nicht nur in Berlin, Hamburg, München oder Wien, heut-zutage schon in Kleinstädten) – wird da nicht jeder Quadratmeter des Bodens mit 100-Mark-Scheinen bedeckt?

Gehen Sie einmal durch so ein Haus, fragen sie die Mieter, ob sie dagegen etwas vor-zubringen hätten: Man wird Ihnen sagen, daß sie sich darüber gar keine Gedanken machen. Es sei nun einmal so. Und wenn einer von ihnen sich entschließt, eigener Grundherr zu werden, für jeden Quadratmeter seiner »Parzelle« Tausende von Mark hinlegen muß, wird er darüber zornig werden? Er wird froh sein, daß er in der Ecke noch etwas bekam, es sind ja so viele andere da – also wozu klagen?

Es ist nun einmal so, heißt es wieder. Zwar ist das Geld für den arbeitenden Durchschnittsverdiener sichtlich knapper geworden, aber was ein richtiger Deutscher ist, der arbei-tet eben härter, macht mehr Überstunden und die Frau geht auch arbeiten, Kinder kann man sich nicht leisten, aber »wir leben ja so gut«. Nur hat die Sache einen ganz tollen Haken: Je mehr man verdient, um so mehr kann der Grundrentner davon für sich erpressen! Ja, Denkunfähigkeit ist die wichtigste Stütze des Privatgrundeigentums. Auf Dummheit ruht die Vorstellung , das Privatgrundeigentum sei gut, richtig , gerecht, unerschütterlich, sei die Grundlage unserer Freiheit.

Niemand will glauben, daß das genaue Gegenteil zutrifft: Privatgrundeigentum ist eine moderne Form der Sklaverei. „

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Bild: Bild von Peter Müller auf Pixabay